Welt 17.12.2025
15:55 Uhr

Die digitalisierte Tierarzt-Praxis  


In Berlin gründete der Rheinländer Jonathan Loesing im Jahr 2021 Rex. Nun ist der 33-Jährige mit seiner Tierarzt-Kette auch in NRW aktiv: in Köln und Düsseldorf.  

Die digitalisierte Tierarzt-Praxis  

In der Rex-Praxis in Düsseldorf-Friedrichstadt sitzen Hundehalter links, der Wartebereich für Besucher mit Katzen befindet sich rechts in einem abgetrennten Zimmer. Dort sorgen auch spezielle Duftstoffe für die Beruhigung der tendenziell nervöseren Katzen, so Praxis-Managerin Nadine Heeren. „Es ist hier alles sehr modern“, sagte Heeren.  Und tatsächlich: Schon die Optik erinnert kaum an gängige Tierpraxen.  Die Düsseldorfer Rex-Tierarztpraxis hat gerade eröffnet, nach Köln ist sie die zweite in NRW, bundesweit gibt es nun zehn solcher Praxen. Gegründet wurde die Kette 2021 als Start-up von Jonathan Loesing, einem früheren McKinsey-Unternehmensberater mit Wurzeln im Rheinland und Münsterland.  „Meine Großeltern hatten einen großen Bauernhof mit vielen Tieren“, berichtet der 33-jährige Unternehmer. Dort habe er als Kind viel Zeit verbracht, zu Hause in Alfter, gelegen zwischen Köln und Bonn, hatte die Familie einen Hund. Auf die Idee kamen er und sein langjähriger Freund Julian Lechner, weil die Zahl der Haustiere in Deutschland in den letzten Jahren stark gestiegen ist: 2024 lebten hierzulande 33,9 Millionen Heimtiere – ein Rekordhoch.  Auch in Düsseldorf macht sich dieser Boom bemerkbar: Die Anzahl der gemeldeten Hunde in der Stadt stieg zwischen 2019 und 2024 um etwa 14,2 Prozent auf über 26.500.  Dadurch nehme auch die Auslastung der Tierarztpraxen vor Ort zu und es komme zur Termin-Knappheit, so Loesing. Und hier setze sein neues Konzept einer Tierarztpraxis an.   „Damit die Vierbeiner die bestmögliche Versorgung kriegen, muss der Arztbesuch so unkompliziert sein wie ein Friseurtermin“, sagt er. „Hierfür nutzen wir die Möglichkeiten der Digitalisierung. Wir lösen das Bürokratieproblem, indem der Papierkram per Smartphone erledigt werden kann.“ So würden Rechnungen per Mail versendet, Benachrichtigungen zu Terminen und Testergebnissen gibt es über eine App. Herzstück des Systems ist Loesing zufolge die elektronische Patientenakte, die direkt in die Praxissoftware integriert ist.  Auch Telemedizin-Termine lassen sich buchen, um Wege und den Tieren unnötige Strapazen zu ersparen. Rund 160 Mitarbeiter hat Rex bereits. „Früher waren die meisten Tierärzte männlich und arbeiteten über Jahrzehnte in ihrer eigenen Praxis.“ Heute seien es zu 90 Prozent Frauen, von denen viele kein Interesse an diesem Modell hätten, das auch Investment und viel Verwaltung umfasst. In der Düsseldorfer Rex-Praxis sind bereits sieben Helferinnen und eine Tierärztin tätig, weitere Veterinärinnen sollen ab Januar 2026 folgen.